Ahnentafel erstellen: Kekulé-Nummern erklärt
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Die Ahnentafel ist das älteste und zugleich ordentlichste Werkzeug der Familienforschung. Sie zeigt nur eine Richtung, nämlich deine Vorfahren, und gibt jedem von ihnen eine feste Nummer. Wer das System einmal verstanden hat, findet sich in jeder Ahnenliste zurecht und kann aus einer Zahl ablesen, wer gemeint ist. Hier erfährst du, wie die Nummerierung funktioniert, was Ahnenschwund bedeutet und wie du eine Ahnentafel sauber ausfüllst.
Ahnentafel, Stammbaum, Nachfahrentafel, Ahnenfächer: was ist was?
- Ahnentafel: Sie geht von einer Person aus, dem Probanden, und zeigt deren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und so weiter. Geschwister, Onkel und Tanten kommen nicht vor. Jede Generation verdoppelt sich: 2 Eltern, 4 Großeltern, 8 Urgroßeltern.
- Stammbaum: Umgangssprachlich heißt so jedes Familienschaubild. Im strengen genealogischen Sinn zeigt eine Stammtafel die Nachkommen eines Stammvaters im Mannesstamm, also die Träger eines Familiennamens.
- Nachfahrentafel: Sie beginnt bei einem Paar oder einer Person und zeigt alle Nachkommen, auch die über Töchter. Sie ist das Gegenstück zur Ahnentafel und eignet sich gut für Familientreffen.
- Ahnenfächer: eine Ahnentafel in Halbkreis- oder Kreisform. Der Proband sitzt in der Mitte, jede Generation bildet einen Ring. Inhaltlich ist er dasselbe wie die Ahnentafel, nur platzsparender angeordnet.
Neben der grafischen Tafel gibt es die Ahnenliste: dieselben Personen als nummerierte Liste, Generation für Generation. Sie ist praktisch, wenn die Forschung weit zurückreicht und kein Blatt mehr groß genug ist.
Die Kekulé-Nummerierung
Das Nummernsystem ist alt: Michael Eytzinger verwendete es 1590, der Franziskaner Jerónimo de Sosa 1676, und der Genealoge Stephan Kekulé von Stradonitz machte es 1898 mit seinem Ahnentafel-Atlas populär. Im Deutschen heißt es deshalb meist Kekulé-Nummerierung, international Sosa-Stradonitz oder Ahnentafel-System. Die Regeln sind einfach:
- Der Proband hat die Nummer 1.
- Der Vater einer Person mit der Nummer n hat die Nummer 2n, die Mutter die Nummer 2n + 1.
- Das Kind in der direkten Linie hat die Nummer n / 2, abgerundet: Die 13 ist ein Elternteil der 6, die 12 ebenfalls.
- Gerade Nummern sind Männer, ungerade Frauen. Einzige Ausnahme ist die 1, denn der Proband kann beides sein.
- Ein Elternpaar hat immer die Nummern n und n + 1, wobei n gerade ist: 4 und 5, 12 und 13.
- Die Generation ergibt sich aus ⌊log₂ n⌋ + 1. Einfacher gesagt: Generation g umfasst die Nummern von 2g−1 bis 2g − 1. Die Urgroßeltern (Generation 4) sind also 8 bis 15, die Ururgroßeltern 16 bis 31.
Um herauszufinden, wer die 13 ist, gehst du rückwärts: 13 ist ungerade, also eine Frau, und die Mutter der 6. Die 6 ist gerade, also der Vater der 3. Die 3 ist die Mutter der 1. Die 13 ist damit die Mutter vom Vater deiner Mutter. Die ersten 15 Nummern im Überblick:
| Nr. | Person | Linie | Generation |
|---|---|---|---|
| 1 | Du (Proband) | — | 1 |
| 2 | Vater | väterlich | 2 |
| 3 | Mutter | mütterlich | 2 |
| 4 | Großvater, Vater von 2 | väterlich | 3 |
| 5 | Großmutter, Mutter von 2 | väterlich | 3 |
| 6 | Großvater, Vater von 3 | mütterlich | 3 |
| 7 | Großmutter, Mutter von 3 | mütterlich | 3 |
| 8 | Urgroßvater, Vater von 4 | väterlich | 4 |
| 9 | Urgroßmutter, Mutter von 4 | väterlich | 4 |
| 10 | Urgroßvater, Vater von 5 | väterlich | 4 |
| 11 | Urgroßmutter, Mutter von 5 | väterlich | 4 |
| 12 | Urgroßvater, Vater von 6 | mütterlich | 4 |
| 13 | Urgroßmutter, Mutter von 6 | mütterlich | 4 |
| 14 | Urgroßvater, Vater von 7 | mütterlich | 4 |
| 15 | Urgroßmutter, Mutter von 7 | mütterlich | 4 |
Eine vollständige Ahnentafel über vier Generationen hat also 15 Felder, über fünf Generationen 31. Allgemein sind es 2g − 1 Personen für g Generationen, den Probanden eingeschlossen.
Ahnenschwund: wenn Vorfahren doppelt vorkommen
Rein rechnerisch verdoppelt sich die Zahl der Vorfahren mit jeder Generation. 30 Generationen vor dir wären es mehr als eine Milliarde Menschen in einer einzigen Generation, mehr als damals auf der ganzen Welt lebten. Das geht auf, weil viele Vorfahren auf mehreren Wegen mit dir verwandt sind. Diesen Effekt nennt man Ahnenschwund oder Implex.
Ein Beispiel: Sind deine Eltern Cousin und Cousine ersten Grades, haben sie ein gemeinsames Großelternpaar. Dieses Paar steht in deiner Ahnentafel zweimal, etwa als 8 und 9 und noch einmal als 12 und 13. Statt acht verschiedener Urgroßeltern hast du dann nur sechs. In kleinen Dörfern und abgelegenen Regionen, in denen über Jahrhunderte innerhalb weniger Familien geheiratet wurde, ist Ahnenschwund ganz normal und tritt oft schon nach wenigen Generationen auf.
Für deine Ahnentafel bedeutet das: Die Person behält alle Nummern, die ihr nach den Regeln zustehen. Bei der höheren Nummer schreibst du einen Verweis wie „= 8“ und führst die Linie dort nicht noch einmal fort, denn ihre Vorfahren stehen ja schon bei der niedrigeren Nummer.
So füllst du eine Ahnentafel aus
Für jede Person gehören dieselben Grunddaten in ihr Feld: der vollständige Name mit allen Vornamen (bei Frauen den Geburtsnamen, nicht den Ehenamen), Geburt oder Taufe, Heirat, Tod oder Begräbnis, jeweils mit Datum und Ort, und wenn bekannt der Beruf. Platz ist knapp, deshalb haben sich feste Zeichen eingebürgert:
- * geboren
- ~ getauft
- ⚭ verheiratet
- ⚮ geschieden
- † gestorben
- □ begraben
Ein Eintrag sieht dann etwa so aus: „Anna Maria Schmidt, * 12. März 1871 Musterdorf, ⚭ 4. Mai 1893 ebenda, † 2. Januar 1940 Musterstadt“. Schreib Taufdaten unter ~ und nicht unter *, auch wenn beide oft nur ein paar Tage auseinanderliegen: Wer später nachschlägt, weiß dann, welches Ereignis die Quelle wirklich nennt.
Beim Datum schreibst du den Monat am besten aus, dann ist es auch für Verwandte im Ausland eindeutig. Unsichere Angaben kennzeichnest du deutlich: „um 1850“, „vor 1850“, „nach 1850“ oder „zwischen 1848 und 1852“. Genealogieprogramme und GEDCOM-Dateien kennen dafür eigene Kürzel (ABT, BEF, AFT, BET … AND), die Bedeutung ist dieselbe. Beim Ort nennst du den Namen zur Zeit des Ereignisses und fügst bei Bedarf den heutigen hinzu, etwa „Breslau (heute Wrocław)“, dazu den Kreis oder die Region, weil viele Ortsnamen mehrfach vorkommen.
Und das Wichtigste: die Quelle. Notiere zu jeder Angabe, woher sie stammt, zum Beispiel „Ev. Kirchenbuch Musterdorf, Taufen 1871, Nr. 34“ oder „Sterbeurkunde Standesamt Musterstadt 1940“. Auf vielen Vordrucken ist dafür kein Feld vorgesehen. Dann nummerierst du die Quellen auf einem eigenen Blatt und schreibst nur die Quellennummer ins Feld.
Mehr als vier Generationen: Fortsetzungsblätter
Ein Blatt reicht meist für vier Generationen. Für die Vorfahren der Urgroßeltern legst du Fortsetzungsblätter an: Auf einem neuen Blatt steht zum Beispiel die 8 aus deiner ersten Tafel als Ausgangsperson. Damit nichts durcheinandergerät, schreibst du an jede Person auch ihre Kekulé-Nummer in deiner Gesamtzählung. Die Regeln gelten unverändert weiter: Der Vater der 8 ist die 16, ihre Mutter die 17. So bleibt jede Person eindeutig auffindbar, egal auf wie viele Blätter deine Forschung wächst.
Vorlagen, Programme und GEDCOM
Zum Ausdrucken und Ausfüllen gibt es bei uns kostenlose Vorlagen, darunter eine Ahnentafel über 4 Generationen mit 15 Feldern und einen Ahnenfächer über 5 Generationen, in dessen 31 Feldern die Kekulé-Nummern schon eingetragen sind. Wenn du gerade erst anfängst, hilft dir unser Ratgeber Stammbaum erstellen: Schritt für Schritt bei den ersten Gesprächen und Quellen.
Sobald es mehr als ein paar Dutzend Personen werden, ist ein Genealogieprogramm bequemer. Viele Programme vergeben die Kekulé-Nummern selbst und drucken Ahnenlisten auf Knopfdruck. Achte darauf, dass du deine Daten als GEDCOM-Datei exportieren kannst. Was in so einer Datei steckt und warum sie das gemeinsame Austauschformat der Familienforschung ist, erklärt Was ist eine GEDCOM-Datei?
Deine Ahnentafel als Poster
Wenn deine Ahnentafel an die Wand soll, kannst du sie bei uns als Poster gestalten. Modern Clean ist im Stil einer klassischen Ahnentafel aufgebaut, auf Wunsch mit Nachkommen darunter. Heritage Fan ordnet deine Vorfahren als Ahnenfächer an, und Heritage Oak setzt sie in einen gemalten Baum. Du lädst deine GEDCOM-Datei hoch oder trägst die Familie im Online-Assistenten ein und siehst vor der Bestellung eine Vorschau. Ahnentafel gestalten.
Bereit, deinen Stammbaum zu drucken?
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